Die Martha, das Hängen, das Schlafen und der Lemmy auch …

Der Jänner fliegt vorbei, dieser Tage ist es ein kalter mit einer dünnen, durchlässigen Schneedecke hier und die Momente, an denen die Sonne für ein paar Minuten durchbricht, lindern nicht den „wind-chill factor“, der auch die läppischen minus zwei Grad von heute wie Rasierklingen in die Gesichtshaut treibt.

Uns Martha ficht das alles nicht wirklich an. Sie wird eskimomäßig eingepackt, bekommt eine Schippe wasserfreie Creme ums Näschen und schläft meist schon nach ein paar Metern Kinderwagen-Voranschaukeln, wenn wir die ewig rote Fußgängerampel an der Danziger dann endlich hinter uns gelassen haben, friedlich ein. Auch ist es ein Angenehmes, die Tochter bei solchen Witterungsverhältnissen im Tragegestell vor’m Bauch zu haben. Der entstehende Wärmetausch ist da nur ein Argument. Ob unter’m Mantel oder über der Jacke, Martha hängt ab, kuschelt sich an und … schläft. Wenigstens solange man sich konsequent vorwärts bewegt.

martha schlaeft

Bei diesen Ausflügen ist dann dem Einen oder Anderen auch schon aufgefallen, dass dies einen ganz schön krassen Kontrast hergibt, was die Größenverhältnisse betrifft.

papa_martha

Dabei ist das Kind schon gar nicht mehr so winzig. Mehr als zehn Zentimeter ist sie in den fast vier Monaten schon gewachsen und gewichtsmäßig ist sie auch schon bedeutend mehr als doppelt so viel Martha als anfangs. Die konsequente Ernährung durch Muttern’s Bestes tut, was sie tun soll und auch der Kindsmutter geht es gut damit, zumindest meistens. Raupensymbiose eben, auch wenn Tochter manchmal nicht so genau weiß, was sie will und schon mal Quengeltage hat, wie wohl jedes Kind. Anke, die durch das Stillen mehr oder minder rund um die Uhr am Kind ist, macht das bisher schnullerlose Martha-Dasein so erst möglich, was an dieser Stelle auch mal rausgehoben sein muss!

kistenschlaf

Auf diese Art ordentlich abgefüttert, findet Martha dann immer wieder in den Verdauungsschlaf der gerechten Kinder, die eben noch jeden Tag so viel Neues zu verarbeiten haben, dass sie sich bei „Overload“ einfach Ausklinken, um all die neuen Eindrücke aus dem Arbeitsspeicher in irgendeine andere Ecke ihres Seins zu verfrachten. Außerdem verausgabt sich das kleine Wesen bei der Nahrungsaufnahme schon jedesmal ziemlich. Das ist halt richtig Arbeit für den immernoch binär (Satt vs. Hunger) ausgerichteten Bioorganismus, der ja mit nix anderem beschäftigt ist als wachsen, wachsen, wachsen, lernen, lernen, lernen und dann zur Erholung schlafen, schlafen, schlafen.

Natürlich ist nie ALLES eitel Sonnenschein und so gibt es an manchen Tagen auch absolut fett auf die Ohren. Wenn man den krähenden Kindskopf dann genau in Gehörganghöhe mit sich führt, bringt das zuweilen schon einen veritablen Tinitus ein. Sirenen kann sie, die Martha. Freundlicherweise hat sie ein Sirenenwarnsystem eingebaut, welches folgendermaßen funktioniert:

Erst kommt die Unterlippe vor, eine Trotz-Mime, die ich erschütternderweise ziemlich exakt so neulich in meinem Kinderphotoalbum wiedergefunden habe.
Im zweiten Anschnitt des töchterlichen Protestgebarens verändert sich dann die Gesichtsfarbe, auch schon mal ziemlich rasant, von babynormalrosig über rot, dunkelrot bis hin nach fast dunkellila. Als sie in den ersten Monaten noch mit der Grobjustierung der gesamten Verdauerei zu tun hatte, war das noch extremer, allerdings war es da einfach der Ausdruck der an- und abschwellenden frühkindlichen Bauchschmerzen. Heuer gibt es vier uns bekannte Varianten: Hunger, Hose voll, Müdeseinundtrotzdemnichtschlafenwollen und der undefinierte kindliche Weltschmerz, wo dann einfach gar nix passt und keiner weiß warum.

Ursachenunabhängig setzt ab einem gewissen Verfärbungsgrad zuverlässig der Ton ein, den Nachbarn so lieben; und Martha wäre nicht meine Tochter, hätte sie nicht ein durchaus durchdringendes, kräftig tönendes Organ. Das „Pfälzer-Krischer-Gen“ hat da wohl auf die Tochterausstattung  durchgeschlagen. Jedenfalls ist das an Tagen, wo’s dann auch schon mal länger sirent, für Anke schon nicht wirklich leicht zu nehmen, vor allem, wenn keine Therapieform anschlägt und man davon ausgehen muss, sich mit einem erst mal unabänderlichen kindlichen Zustand abfinden zu müssen.

An dieser Stelle kommt nun old Lemmy Kilmister ins Spiel, von dem der Radiosender der Wahl mir letztens verkündete, er habe auf irgendeiner Elektronikmesse seine neuestes Produkt vorgestellt: Motörheadphones. Werbung im engeren Sinne liegt mir an dieser Stelle mehr als fern, aber da Lemmy und Konsorten ja durchaus als eine der lauteren Live-Kapellen geführt werden, lag der Schluss nahe, die Idee aufzugreifen und zu invertieren. Der Griff zum guten, geschlossenen AKG-Studiokopfhörer war ein schneller … und siehe da, schon erfährt das kindsmütterlich feingeistige Gehörorgan ein wenig Entlastung zwischendurch. Die Credits hat er sich verdient: Danke Lemmy!! und … sorry Martha 😉

headphone

Großartig wie sie ist, verschmerzt Martha auch solche Schieflagen elterlicher Zuwendung schnell und nachhaltig. Wenn sie dann wieder schlafend im Kinderknast, im Bettchen oder auch einfach nur in den Armen eines Elternteils ruht, ist sie der kindgewordene Gegenbegriff zu Lemmys Sound

schläft

… kein Pik As zwar, aber friedlich und vor allem tonlos.

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