Faltvögel, Kumpelz, Pieckserei und Absurditäten

Faltvögelmobiles hatten wir zum Jahreswechsel gebaut. Beate kann Faltvögel in einer affenartigen Geschwindigkeit herstellen und so hatten wir rasch ein Doppeldutzend dieser wunderschön bunten Teile. Die kleinsten hängen an einer Schnur aufgereiht am Gläserschrank in der Küche. Sie waren für Martha sofort interessant, wie sie so direkt über ihrem Kopf herumschwebten und für uns war es praktisch, weil wir sie durch ein kurzes Pusten über’n Küchentisch problemlos in Bewegung halten konnten. Mittlerweile ist Tochter zu groß für die Kiste und kann so leider auch nicht mehr auf dem Tisch zwischengelagert werden. Also sind die ganz kleinen Vögel mit an den Bogen, der sich über die Kinderdecke spannt, gewandert, wo sie jetzt mit einigen der Plüschkumpelz über Martha herumbaumeln, wenn wir sie dort auf dem Boden ablegen. Inzwischen greift sie danach oder haut auch schon mal ordentlich dagegen, was sie besonders amüsiert, wenn sie einen Kumpel erwischt, der dabei rasselmäßig Sound macht. Stabil sind die Dinger ja! Bisher haben sie jeglichen Zug- und Abrissaktivitäten durch das Kind standgehalten.

faltvoegel

Die mittelgroßen Vögel sind in Form eines richtigen Mobiles in die Danziger über den Wickeltisch gewandert. Dort freut sich Martha an den bunten Viechern, die ständig in Bewegung sind, während sie gewaschen wird, ’ne neue Hose bekommt oder an- und umgezogen wird, was sie sonst nicht wirklich schätzt. Eine gute Ablenkung gegen kindlichen Unmut also. Das Mobile mit den großen Vögeln ist noch in der Mache. Es braucht größere Stäbe, weil sich das mit den vorhandenen nicht ausbalancieren läßt – und gerade jetzt, wo ich das schreibe denke ich, dass chinesische Esstäbchen vielleicht eine plausible Lösung wären …

Seit ein paar Tagen entdeckt Martha nun auch ihre Finger, spielt damit herum, nimmt sie auch schon mal einzeln in den Mund und führt überhaupt immer mehr koordinierte Bewegungen mit Armen und Händen aus und wenn sie mal etwas zu fassen bekommt, läßt sie es so schnell nicht wieder los.

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Auch klamottenmäßig ist sie aus der ersten Lage inzwischen rausgewachsen. Der blaue Schneeanzug von Oma tut noch reichlich, aber der schicke weiße mit den lila Pinguinen, den der Kindsvater im ersten postnatalen Kinderklammottenkaufrausch erstehen musste, ist zu dessen Leidwesen schon bedeutend knapp. Der heutige Test des guten Stücks ging sich dahingehend aus, daß es (Winter hin/Winter her) maximal noch ’ne Woche taugt. Wie gut, dass Oma bei dem blauen ein bissel Größenvorrat eingebaut hat, denn diese kalten Wintertage und Nächte in Berlin brauchen schon eine ordentlich eingepackte Martha, wenn wir sie vor’m Bauch draußen herumtragen und nicht im Wagen durch die Gegend schieben, was bei Schnee manchmal doch ein etwas mühsames Unterfangen ist.

schildabaum

Draußen sehen wir dann schon mal so Absurditäten wie den Schilderbaum. Ob da nun einer die Weihnachtstanne zielgenau geknutet hat oder was sonst an Hintergedanken zu der Konstruktion geführt hat, wurde nicht klar, aber ein Photo war es allemal wert.

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Drinnen dann wird die Martha schon mal auf den Bauch gedreht, um so langsam ein Gefühl dafür zu vermitteln, dass es eben nicht nur die Rückenlage gibt! Den Kopf kann sie schon ganz schön gut oben halten und neugierig schauen ist inzwischen auch schon im Programm. Außerdem entlastet das die kahle Stelle am Hinterkopf, wo ja dann auch irgendwann mal ein paar Haare wachsen sollen …

mamartha

Muttern dokumentiert das, wie alles andere mit der Kamera und produziert dabei eben solch herzallerliebste Schnappschüsse!! Da sage noch mal einer, Martha wäre MIR so ähnlich … Dies Bild spricht doch für sich.

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Damit Tochter sich auch wirklich mal als Tochter fühlen kann, gibt’s Martha ausnahmsweise auch schon mal in mädchenrosa. Ist ja nur Unterwäsche und somit zu verschmerzen! Manchmal muss das eben sein …

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… nicht, dass sie wie diese(r) Dame/Herr hier irgendwann die Orientierung verliert!

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Und da sind dann noch mal die fliegenden Faltvögel über’m Martha-Akt. Faszinierend, wie alles was bunt ist und sich bewegt. Hier tut nun Ablenkung auch besonders Not. Die Kindsmutter nennt es schon mal die Folterbank, auch wenn’s nur eine Wickelstation ist und wir mit dem kleinen Wesen natürlich mehr als sorgsam umgehen, welches Kind mag das schon?

impfpflaster

Trophäe der ersten Impfung im Zuge der U4, letzte Woche bei der Kinderärztin. Martha wurde gepiekst, verwand das noch ganz tapfer, musste dann aber doch eine zünftige Brüllerei anzetteln, während ihr der Sechsfachimpfstoff injiziert wurde. Das Unangenehme war anscheinend nicht das Piecksen, sondern was danach kam, warum auch immer. Zum Trost gab’s ein Megapflaster auf’s Beinchen. Faszinierend der Gedanke, dass dies die ersten „Fremdstoffe“ in Marthas Körper sind. Abgesehen vom für Winterkinder obligatorischen Vitamin D hat Martha bisher nichts, aber auch gar nichts als Muttermilch zu sich genommen. Abends gab’s dann noch einen Nachtisch in Form eines Zäpfchens, weil sich dann doch als Impfreaktion eine entsprechender Fieberschub einstellte.

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Auf dem Heimweg von der Pieckserei dann endlich ein Photo der gestrickten Kermit-der-Frosch-Mütze, die uns jedesmal fasziniert, wenn wir an dem Schaufenster auf der Landsberger vorbeikommen. Ziemlich abstrackte Kinderklamotten und namensbestickte Kissen und weissnichtwasnochalles zu absolut inakzeptablen Preisen, aber diese Mütze … also diese Mütze … na mal sehen, noch ist sie ja zu groß, also kann der Kindsvater damit noch ein Weilchen ringen. Vielleicht ja zum ersten Geburtstag.

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Denn Plüsch- und sonstige Kumpelz, Kinderstoffbücher, Sensorikspielzeug und vergleichbare Kleinstkindausstattung ist ja schon mehr als reichlich vorhanden. Der Kinderknast muss zwar noch nicht wegen Überfüllung geschlossen werden, die andere Hälfte der Sippe haust ja beim Kindsvater am See, aber es ist schon eine ganz schöne Truppe, die da zusammen kommt, wenn wir sie zeitgleich im Laufställchen um die Tochter versammeln. Martha jedenfalls hat ihren Spaß inmitten all der freundlichen Wesen.

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Was man von ihrem ersten Ausflug in die Welt der Kleidchenträgerinnen erst mal nicht behaupten konnte. Trotzdem. Uns gefällt das von meiner Patentante Hannelore bei deren Berlinbesuch neulich geschenkte Kleidungsstück so gut, dass wir es direkt bei Cousin Tobi’s Geburtstagskaffee einweihen wollten.

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Bei der Gelegenheit konnte auch Cousine Lisa sich mal wieder ausgiebig davon überzeugen, dass sie schon eine ganz schön Große oder zumindest nicht mehr die Kleinste in der Familie ist. Oma hat ein wachsames Auge auf das Treiben und Martha …

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… ist durch all das Gewusel, die Stimmen und Eindrücke irgendwann (Kleidchen hin- oder her) rechtschaffen müde. Schick ist ja an unserem Kind, dass es dann auch tatsächlich ohne Umschweife in den Schlafkomazustand wechselt und: wo auch immer wir sie dann ablegen, ist Martha KO geht das OK.

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Manchmal übt sie bei der Gelegenheit auch schon den richtigen Finger für die unzweideutige Meinungsäußerung rauszusuchen, was hier noch nicht ganz gelingt. Einer weiter, der wär’s gewesen.

mobile

Martha hat also den Ausflug ins Kleidchen überstanden, die abstrusen Elterngedanken bezüglich ihres Mittelfingers geflissentlich ignoriert und ist auch sonst ganz schön langmütig, was ihre schrägen erziehungsbeauftragten Erzeuger betrifft. Sie freut sich immer weiter am bunten Gewimmel über sich und läßt ansonsten erst mal die Welt und das Leben an sich,  die Welt und das Leben an sich sein.

hst

Ob sie dann auch irgendwann eine Ader für allerhand Absurditäten entwickelt werden wir sehen. Freuen würden wir uns natürlich schon darüber, zumal es in der großen Stadt eben auch immer wieder, jeden Tag, auf jedem Weg solche schrägen Dinge zu sehen und abzubilden gibt. Keine Wiese und kein Wald hinter’m Haus, wie ihr Vater das früher hatte, dafür Berlin vor der Nase und ein Paar spassorientierte Ü 40 Ersteltern …

augen

… das kann ja was werden.

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