Der Wiegenwecker, Martha im Verkehrsbetrieb und ein Komet.

Anke hat ein Wort erfunden, dessen Charme ich mich so ganz und gar nicht entziehen konnte. Es ist die Beschreibung eines Geräts, das es gar nicht gibt, also nicht so zu kaufen oder beim Online-Auktionshaus oder so. Es ist auch weniger ein Gerät, als ein Feature unserer Tochter, welches aber über eine einzigartig zuverlässige Funktionalität verfügt!
Das Wort heißt „Wiegenwecker“.
Dieser hat genau eine mögliche Einstellung und die geht so:
Exakt zwölf Stunden nachdem Martha zum Schlafen gebettet wurde schlägt sie an und zwar unabhängig von Dauer und Anzahl der stillungsinduzierten Schlafunterbrechungen. Das Signal steigert sich langsam aber kontinuierlich von unruhigen Bewegungen über leichtes Brabbeln bis hin zu sirenenartigen Tönen, die den Elternschlaf dann zuverlässig endgültig beenden. Wollen wir also um sieben Uhr aufstehen, muss Martha am Abend vorher etwas vor 19 Uhr ins Bett, damit die dann Schlag sieben auch pennt … So funktioniert der Wiegenwecker.

Marthor

Leider verfüge ich an meinem Bürorechner nicht über die nötigen Administratorenrechte, um die Einstellungen dahingehend zu verändern, dass ich die tägliche Martha, welche die Kindsmutter mir dankenswerterweise an den neuen Arbeitsplatz sendet, als Desktopbild einrichten könnte. Es dürfen Pflanzen aufgestellt werden und auch sonst wird allerhand persönlicher Schnickschnack in den Büros akzeptiert, aber die Standard-Bildschirmoberfläche ist tabu. Sie hat blau zu sein und das gelbe Verkehrsbetriebslogo prangt unverrückbar in der rechten oberen Ecke. So liegen die Bilder von „The Marth“ im persönlichen Ordner, bis nächsten Mittwoch die Magnetwand montiert wird, auf dass es in meinem Rücken nicht mehr gar so kahl aussieht. Dort werd‘ ich die digital eingeflogenen Portraits dann analog aufhängen und bei jedem neuen (also fast täglich) wird getauscht. Das ergibt am Ende ein schickes Album für die Tochter und nebenbei einen feinen tagesaktuellen Entwicklungsüberblick für den gegenübersitzenden Kollegen.

TheMarth_01

The Marth_01 am 12.02.2013, dem Tag, an dem übrigens Steffi und Mac Geburtstag hatten. Glückwunsch auf diesem Weg, da ich das Singen über’s Telefon gestern wieder grandios verpennt hab … Jedenfalls hilft das bunt, quer über den Kinderknast gespannte Tuch, an dem die Kumpelz hängen, Martha beim „umdrehen üben“ und eine gute Halterung für die stoffbezogene Frühkinder-Sensitivliteratur ist es nebenbei auch!

TheMarth_02

The Marth_02 am 13.02.2013 weist einen nicht weg zu dikutierenden Speichelfaden im rechten Mundwinkel auf, den sie aber durch den keck, neugierig, charmanten Blick locker kompensiert. Und was meint der Komet dazu?

Kein U Bahnhof

Ich hätte noch das Wort „halt“ zwischen „ist“ und „kein“ ergänzt, aber das hätte vermutlich das Layout gesprengt, weil der Komet ist ja so ein sehr schmaler.

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geschichten ueber keine revolution, komische muetzen, besuch und das magische gelb.

hey … this is martha calling … again,

mein papa sagt ich hätte es mitunter drauf schlauer zu gucken als ex-promovierte bildungsministerinnen. wie auch immer er das meint, bei der masse bilder, die meine mutter schiesst (schon immer seit ich sie kenne), verwundert es nicht, dass da die ein oder andere schnuuuute drunter ist, die meine pr-abteilung, wenn ich denn eine haette, so nicht durchgehen lassen würde ins weltumspannende netz.

denkt

solche zum beispiel. papa_jo sagt, mama haette schon immer so viele bilder gemacht, nur waere in den letzten monaten die auswahl der motive etwas monothematisch, aber auch das kann er kaum kritisieren, ist der doch wie er selbst sagt der groesste fan des „100.000 marthabilder bis zur einschulung“-projekts, das meine mutter initiiert hat, ohne es (bisher wenigstens) als solches wahrzunehmen. wieder so eine schnapsidee vom graubart und ich wette, er hat noch nicht einmal die marthabilder von oktober bis heute durchgezaehlt, um eine hochrechnung zu veranstalten. halt wieder so’n spruch. macht er gerne. der papa.

tafel

zumindest hat er mir mal erklärt, welch historisch bedeutsamer ort das doch ist, an dem ich da zur welt gekommen bin. unter zur welt kommen verstehen die, dass es ploetzlich seltsam wurde, als die hand nach mir griff, wo ich mich die ganze zeit so wohl gefuehlt habe und es dann ploetzlich hell, kalt und ungemuetlich wurde dort, wo die ganzen leute in den seltsamen kostümen waren und mich zuerst angestarrt, dann befühlt, betrachtet, für gut befunden und schliesslich martha benannt und mich mit einem waechterkrokodil ausgestattet haben. wie auch immer. in grauer vorzeit (1953) haben dort arbeiter ein neues bettenhaus für dieses krankenhaus gebaut. die staatsoberen beschlossen einfach mal, die norm um 10% anzuheben und weil bauarbeiter nun mal nicht schneller bauen koennen als sie bauen koennen, wurde ihnen pauschal der lohn gekürzt. das fanden die nicht lustig! sie streikten und forderten per brief an irgendeinen otto, die erhoehung des arbeitssolls zurückzunehmen.

martha_finger

waehrend mein vater mir solches mitteilt, nehm ich gern mal ein bissel finger von ihm, auch wenn er immer behauptet, das sei ineffizient, eidieweil da nun mal (leider wuerd ich sagen) nix nahrhaftes rauskommt.
die bauarbeiter jedenfalls bekamen am naechsten tag unterstuetzung von kollegen und als sie von der stalinallee in die stadt zogen, schloss sich ihnen ein, fuer otto und konsorten reichlich beaengstigender, riesenhaufen leute an. noch beaengstigender fuer die normerhoeher war wohl, dass diese menschen sachen skandierten wie: „berliner reiht euch ein, wir wollen freie menschen sein!!!“ um das kesselchen noch ein wenig weiter zu heizen, forderten die menschen nun auch noch freie wahlen im ostdeutschen land und riefen fuer den naechsten tag zum generalstreik auf.

martha_kappe

um das aufzulockern (geschichtsunterricht find ich anstrengend und das ist auch alles schon so lange her, dass selbst meine eltern noch nicht geboren waren als es passierte, …) machen eltern eine komische muetzen-fotosession mit mir, was ich eigentlich ablehne, weil ich den verdacht habe, dass sie mich zum affen machen (ich kann mich ja nicht wehren 🙁 …) aber schreien und quengeln kann ich und das werde ich ihnen in den naechsten tagen mal vorfuehren, dass ich das kann … jawoll.

die bauarbeiter hatten wohl jedenfalls eine lawine losgetreten. allein in berlin versammelten sich am 17.6.1953 ueber 100.000 menschen, um zu demonstrieren und im ganzen land kam es zu protesten. betriebe wurden bestreikt, partei- und verwaltungsgebaeude besetzt. otto und seine kumpelz bekamen es mit der angst und flohen ins sowjetische hauptquartier in karlshorst. was’n aufstand.

mama_kappe

aufstand hab ich beim bildermachen auch gemacht und um mich zu befrieden, lassen eltern sich wenigstens dazu hinreissen, sich ebenfalls zum affen zu machen. gleiches recht fuer alle!

nicht jedoch fuer die bauarbeiter und all die anderen leute, die unterwegs waren, gegen die herrschenden zustaende zu protestieren. die sowjetische besatzungsmacht verhängt den ausnahmezustand und die ganze angelegenheit wurde deutlich unschoen, weil panzer und soldaten das verbot von menschenansammlungen durchsetzten. 51 menschen kamen ums leben, 20 wurden standrechtlich erschossen. kein guter tag in ost-berlin. mein papa hat deshalb am 17. juni seine ganze schulzeit lang frei gehabt … den zusammenhang verstehe wer will … er hats mir nicht naeher erklaert.

papa_kappa

wenn ich ihm sage, dass er als affe mit muetze irgendwie nach mittelalter aussieht wird er mich fragen woher ich weiss was mittelalter ist oder mir einen vortrag ueber selbiges halten. ich liebe seine vortraege, moechte es aber fuer heute mit meinem geburtsort bewenden lassen, also schweige ich taktvoll ob des schon irgendwie erschuetternden anblicks und hoere mir das bittere ende der bauarbeitergeschichte an.

13.000 menschen wurden nach dem aufstand inhaftiert und der herr von der gewerkschaft, der den brief unterschrieben hatte, max fettling mit namen, bekam 10 jahre zuchthaus fuer die aktion. die revolution war dann jedenfalls irgendwie abgesagt.

martha_kappe

warum, wieso, weshalb, das alles haben sie mir nicht erklaert, aber ich habe so viel mitbekommen, dass es irgendwo in berlin mal eine grenze gab, die gemauert war und mein papa sagt, wenn wir zusammen mit mama und dem bauch letztes jahr den mauerweg gefahren waeren, wuesste ich ein wenig mehr darueber, worum es da ging. jetzt muss ich wohl warten, bis ins fruehjahr. da wollen sie mich in einen haenger packen und mir das zeigen. bin ich gespannt oder graut es mir … unentschieden bisher, aber wenn ich mir das spiel mit der muetze so ansehe … na ich weiss nicht.

wissen wollt ich das alles ueber meinen geburtsort irgendwie nicht wirklich, aber vattern ist ja nicht zu bremsen, wenn er so ein gedenktaefelchen sieht und seine tochter auf diesen geschichtstraechtigen ort der deutschen teilung zurueckfuehren kann. vielleicht halt ich ja in der schule mal ein referat, da wird der alte herr dann abgehen wie schmidt’s katze. … sagt man so, hab ich gehoert … wenn mir dann bei gelegenheit noch jemand erklaert wer schmidts sind und was eine katze ist und warum sie nicht dranbleibt und woran, begreife auch ich endlich, was gemeint ist. das soll mir aber jemand anderes erklaeren, sonst dauert das wieder so lang!

schwanies

und viel spannender als deutsche vorgeschichte fand ich ja die schwaneneltern, die beim spaziergang (ohne muetze!!!) nochmal ueber das eis auf dem see von freiwasser zu freiwasser gewatschelt sind. papa sagt, die koennten auch fliegen, aber das waere ihnen wohl zu knapp zum starten oder zu glatt zum landen oder ich weissnicht was. sah jedenfall putzig aus, wie sie mit ihren watschelfuessen versuchten, nicht auszurutschen auf dem eis.

aehem

mama hat gruene hose & passenden gruenen pullover fuer mich geschossen. das gab’s am sonntag und ich ahnte daher schon frueh: neue klamotten? da kommt bestimmt besuch und nachdem ich andré und esther am abend vorher noch komplett verpennt hab‘ (der kartoffelauflauf waere sowieso nix fuer mich gewesen …) bin ich schon sehr gespannt und fast ein bissel aufgeregt.

krabbelt?

wir ueberbruecken die zeit mit bauchlageuebungen.

martha_raoul_sandra

dann kommen sandra, raoul, julia und ihre tochter, die schon so gross ist wie albert und ich zusammen, mit noch einem kind, das aber irgendwie noch nicht da ist … als sandra und raoul mich das letzte mal gesehen haben, war ich auch noch nicht da. da frag ich mich: wie solln das gehen? hat wohl was mit dem bauch zu tun sagen sie … wie auch immer … und nicht mit papa, obwohl der auch einen hat. bauch mein ich …

jedenfalls hatten die lecker kakao & kuchen und selbstgebackene muffins und ich hab‘ wie immer nix abbekommen. aber das schicke paeckchen, also ich meine sein inhalt … der ist fuer mich. todschicke pumphose … von sandra selbst genaeht … fotos folgen, wie ich meine mutter kenne.

am see

abends durft ich mir dann die zweite frischluftvergiftung des tages abholen (muss irgendwas drinnen sein, denn ich schlafe immer ein, wenn wir an der frischen luft sind und sich alles bewegt …). sie sind alle miteinander eine ganze ewig lange runde um den see gelaufen und es war schon dunkel als sie rum waren und das andere kind ritt auf papas schultern … man muss sagen, dass man nicht mehr laufen mag, dann bekommt man das! hab ich mir gemerkt!!

dann hab ich im halben daemmer, bevor ich endgueltig eingeschlafen bin, noch was laeuten hoeren von verkehrsbetrieb und papas job und der zukunft …
gelb

… was auch immer zukunft ist und was auch immer er damit meint, mein papa sagt die zukunft sei wie dieses bild: verkehrsbetriebgelb.

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Vom Schlafen und Werden: Ein Martha-Tag.

Seit Sonntag machen wir hier am See in Kleinfamilie. Das ist zumeist gemütlich und das muss es auch sein, da die Kindsmutter sich mit einer Erkältung rumschlägt. Trotzdem waren wir alles andere als untätig. Wir haben eingekauft, lecker gekocht, meine Mähne und den Rübezahl in meinem Gesicht gestutzt und gestern auch noch eine Rundreise durch’s östliche Berlin unternommen. Anlass dafür war zum Einen die unvermeidliche Bürokratie (Anke musste beim Arbeitsamt was abgeben und ich habe nebenan beim Finanzamt endlich mal den halben Kinderfreibetrag eintragen lassen, wofür eine Geburtsurkunde vorgelegt und ein Formular ausgefüllt werden musste) und zum Anderen die Abholung eines beim online-Auktionshaus erstandenen Retro-Springseils, wofür Anke sich im Backshop am Rosenthaler verabredet hatte. Glorreich gemeistert haben wir das in nur knapp zwei Stunden und das trotz Totalausfall der M8 (Kleintransporter im Gleisbett) pünktlich. Wenn man die Wege und Zeiten, die Kniffe und Eventualitäten des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin kennt, bewegt man sich durch die Stadt, wie das Wasser fließt, meint: man findet sich immer seinen Weg. Das war mal wieder ein echt positives BVG-Erlebnis, welches auch dadurch ermöglicht wurde, dass wir dank des Verzichts auf den Kinderwagen Moll-/Otto-Braun im Laufschritt dem freundlicherweise wartenden 142er Bus entgegeneilen konnten, obwohl dieser quasi „schon weg war“, denn welcher Kutscher würde schon einem rennenden Kutscher (gibts eigentlich gar nicht …) nebst Tochter vor’m Kutscherbauch vor der Nase wegfahren??

Abgesehen von solchen „tricky Trips“ schaffen wir es, dem guten Vorsatz gehorchend auch sonst immerhin jeden Tag einmal nach draußen, damit Tochter ihre tägliche Frischluftvergiftung einfahren kann und die Eltern sich auch mal das Hirn lüften, bei all dem Müßiggang.

Für gewöhnlich fängt so ein gelassener Martha-Tag mit ’nem Kaffee am Küchentisch an. Uhrzeit variabel, je nach Dauer des vorhergehenden Abends und der morgendlichen Befindlichkeit der Kleinfamilie. Marta lässt sich freundlicherweise manchmal auch gegen 8:53 nochmal zu ’ner Stunde Zusatzschlaf überreden. Die Muttermilch macht’s und schließlich haben wir sowas wie Ferien!

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Nach Kaffee und Morgenlektüre folgt gewöhnlich ein lecker Frühstück und natürlich haben wir das Kind zuvor aus dem Schlafsack gepellt, gewaschen, gewindelt und dabei auf’s Herzlichste bespaßt. Morgens, wenn dann endgültig aufgewacht, ist das kleine Wesen nämlich ziemlich agil und mitteilsam, was uns eine Menge Freude bereitet. Irgendwann im Verlauf oder im Idealfall nach Ende des elterlichen Frühstücks bekommt dann auch Martha ihre Portion von Mutter’s Bestem. Idealtypischerweise verausgabt sie sich beim Aufsaugen des Selbigen soweit, dass hinterher erst mal wieder ein Erholungsschläfchen fällig ist.

In meiner Küche hat sich in dem Zusammenhang die Babyhängematte von Cousine Carolin bewährt. Als Daueraufenthaltsort im Wachzustand schätzt Martha sie nicht wirklich, aber ein Frühstück lang geht das, vor allem wenn der Kindsvater mit dem rechten Knie die Schaukel bedient und das Jungtier nach getaner Fütterung auf diesem Weg in den besagten Verdauungsschlaf wiegt.

matte_maus

Am schönsten ist das natürlich, wenn Martha einen Kumpel bei sich hat, der das Ganze beaufsichtigt und dafür sorgt, dass sie sich beim Aufwachen nicht gleich einsam fühlen muss, weil Eltern mit Abwasch oder sonstwie beschäftigt sind. In diesem Fall übernimmt den Job Frau Maus, die auch ein Geschenk von Carolin ist und sich zu diesem Zweck hervorragend unter den Haltegurten der Babyhängematte fixieren lässt, aber Vincent, das Wächterkrokodil kann das durchaus auch.

Heute gab’s dann nach dem Schlafen eine Runde Bauchlage-Üben mit Papa-Jo.

martha_jo

Gleich im Anschluss dann noch eine Runde Sitzen-Üben.  Das klappt alles schon ganz gut, auch wenn die Kapazität der Tochter für solcherlei noch reichlich beschränkt ist. Sie hält den Kopf schon schön und die Bewegungsmuster stimmen. Kondition muss sie noch nicht haben, schließlich ist sie erst knapp vier Monate alt.

sitzen ueben

Ergänzt wurde das Ganze heut‘ von einer Runde Fremd-Daumen-Lutschen.

finger

Da sehen wir noch Optimierungspotential, was das Sabberverhalten der Tochter betrifft

daumen

Gleich im Anschluss dann nochmal eine Mütze Schlaf. Anstrengend das alles und zur Kompensation sind diese Ruhephasen unerläßlich. Außerdem freut das die Eltern, die dann solche profanen Tätigleiten wir duschen, Wäsche aufhängen, Müll runterbringen etc. erledigen können, ohne dabei ein Aufmerksamkeit heischendes Kind auf’m Arm haben zu müssen. Schließlich sind wir nicht mehr die Jüngsten und da zahlt man das nicht aus der Portokasse.

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Heute haben wir die Zeit genutzt, um noch ein wenig Ordnung zu machen und den gestern gebackenen Kuchen aufzutischen, denn am Nachmittag gab’s dann Besuch von Schwester Sandra. Das ist diejenige, welche den werdenden Papa Jo an Marthas unverhofftem Geburtstag vom einen Krankenhaus ins andere geschickt hat. Sie kannte zwar Bilder und hat Marthas Geburtstag auch am Tag darauf mit begossen, aber persönlich sind die beiden sich noch nicht begegnet. Das war nachzuholen. Lauschig war das und hat großen Spaß gemacht. Es war sogar so gemütlich, daß wir vergessen haben, Photos zu machen, was ja sonst eher selten vorkommt.

Wie bei allen neuen Eindrücken hat Martha ein Nickerchen gemacht als es ihr genug war. Vielleicht lag das aber auch daran, dass sich unsere ehemals als „Sammlerin“ etablierte Tochter inzwischen mit tunlicher Regelmäßigkeit spätestens jeden zweiten Tag entleert und die Action im Anschluss ja für sie schon auch aufreibend ist, gleichwohl sie nix zu tun braucht, als daliegen und sich säubern zu lassen. Was uns nachdenklich stimmt ist in erster Linie nicht der geänderte Rhythmus, sondern die Tatsache, dass sich die abgesonderten Mengen dadurch nicht signifikant verkleinert haben. Wie auch immer … Im Anschluss sind wir uns alle Lüften gegangen, indem wir eine Runde um den See gedreht und Sandra am Ende gleich zur Bimmel gebracht haben.

Da war es dann auch schon wieder dunkel und nach erneuter Nahrungsaufnahme in mehreren Etappen, unterbrochen von erneutem Wickeln, dem uhrzeitgemäßen Wechsel in den Schlafsack und ein bissel abendlichem Quengelritual hat Martha dann ihre Lieblingsbeschäftigung wieder aufgenommen und liegt nun neben mir auf’m Bett und schläft.

Damit ist der Martha-Tag allerdings noch nicht ganz vorbei, aber wenn es uns gelingt, sie halbwegs bei Zeiten zu betten, gibt uns das Gelegenheit, in Ruhe zu Abend zu essen und noch ein paar Dinge zu tun, wie zum Beispiel Blog-Schreiben oder beim online-Auktionshaus nach Babysachen zu forschen und diese nötigenfalls zu ersteigern.

Irgendwann bekommt das Kind dann noch mal Hunger und das läutet dann auch für uns die Schlafenszeit ein. Letzte Fütterung und Licht aus, den Schlaf brauchen wir alle …

… für den nächsten total aufregenden, nagelneuen Martha-Tag.

rot

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Faltvögel, Kumpelz, Pieckserei und Absurditäten

Faltvögelmobiles hatten wir zum Jahreswechsel gebaut. Beate kann Faltvögel in einer affenartigen Geschwindigkeit herstellen und so hatten wir rasch ein Doppeldutzend dieser wunderschön bunten Teile. Die kleinsten hängen an einer Schnur aufgereiht am Gläserschrank in der Küche. Sie waren für Martha sofort interessant, wie sie so direkt über ihrem Kopf herumschwebten und für uns war es praktisch, weil wir sie durch ein kurzes Pusten über’n Küchentisch problemlos in Bewegung halten konnten. Mittlerweile ist Tochter zu groß für die Kiste und kann so leider auch nicht mehr auf dem Tisch zwischengelagert werden. Also sind die ganz kleinen Vögel mit an den Bogen, der sich über die Kinderdecke spannt, gewandert, wo sie jetzt mit einigen der Plüschkumpelz über Martha herumbaumeln, wenn wir sie dort auf dem Boden ablegen. Inzwischen greift sie danach oder haut auch schon mal ordentlich dagegen, was sie besonders amüsiert, wenn sie einen Kumpel erwischt, der dabei rasselmäßig Sound macht. Stabil sind die Dinger ja! Bisher haben sie jeglichen Zug- und Abrissaktivitäten durch das Kind standgehalten.

faltvoegel

Die mittelgroßen Vögel sind in Form eines richtigen Mobiles in die Danziger über den Wickeltisch gewandert. Dort freut sich Martha an den bunten Viechern, die ständig in Bewegung sind, während sie gewaschen wird, ’ne neue Hose bekommt oder an- und umgezogen wird, was sie sonst nicht wirklich schätzt. Eine gute Ablenkung gegen kindlichen Unmut also. Das Mobile mit den großen Vögeln ist noch in der Mache. Es braucht größere Stäbe, weil sich das mit den vorhandenen nicht ausbalancieren läßt – und gerade jetzt, wo ich das schreibe denke ich, dass chinesische Esstäbchen vielleicht eine plausible Lösung wären …

Seit ein paar Tagen entdeckt Martha nun auch ihre Finger, spielt damit herum, nimmt sie auch schon mal einzeln in den Mund und führt überhaupt immer mehr koordinierte Bewegungen mit Armen und Händen aus und wenn sie mal etwas zu fassen bekommt, läßt sie es so schnell nicht wieder los.

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Auch klamottenmäßig ist sie aus der ersten Lage inzwischen rausgewachsen. Der blaue Schneeanzug von Oma tut noch reichlich, aber der schicke weiße mit den lila Pinguinen, den der Kindsvater im ersten postnatalen Kinderklammottenkaufrausch erstehen musste, ist zu dessen Leidwesen schon bedeutend knapp. Der heutige Test des guten Stücks ging sich dahingehend aus, daß es (Winter hin/Winter her) maximal noch ’ne Woche taugt. Wie gut, dass Oma bei dem blauen ein bissel Größenvorrat eingebaut hat, denn diese kalten Wintertage und Nächte in Berlin brauchen schon eine ordentlich eingepackte Martha, wenn wir sie vor’m Bauch draußen herumtragen und nicht im Wagen durch die Gegend schieben, was bei Schnee manchmal doch ein etwas mühsames Unterfangen ist.

schildabaum

Draußen sehen wir dann schon mal so Absurditäten wie den Schilderbaum. Ob da nun einer die Weihnachtstanne zielgenau geknutet hat oder was sonst an Hintergedanken zu der Konstruktion geführt hat, wurde nicht klar, aber ein Photo war es allemal wert.

krabbelmartha

Drinnen dann wird die Martha schon mal auf den Bauch gedreht, um so langsam ein Gefühl dafür zu vermitteln, dass es eben nicht nur die Rückenlage gibt! Den Kopf kann sie schon ganz schön gut oben halten und neugierig schauen ist inzwischen auch schon im Programm. Außerdem entlastet das die kahle Stelle am Hinterkopf, wo ja dann auch irgendwann mal ein paar Haare wachsen sollen …

mamartha

Muttern dokumentiert das, wie alles andere mit der Kamera und produziert dabei eben solch herzallerliebste Schnappschüsse!! Da sage noch mal einer, Martha wäre MIR so ähnlich … Dies Bild spricht doch für sich.

rosamartha

Damit Tochter sich auch wirklich mal als Tochter fühlen kann, gibt’s Martha ausnahmsweise auch schon mal in mädchenrosa. Ist ja nur Unterwäsche und somit zu verschmerzen! Manchmal muss das eben sein …

ange_blau

… nicht, dass sie wie diese(r) Dame/Herr hier irgendwann die Orientierung verliert!

faltvoegel_2

Und da sind dann noch mal die fliegenden Faltvögel über’m Martha-Akt. Faszinierend, wie alles was bunt ist und sich bewegt. Hier tut nun Ablenkung auch besonders Not. Die Kindsmutter nennt es schon mal die Folterbank, auch wenn’s nur eine Wickelstation ist und wir mit dem kleinen Wesen natürlich mehr als sorgsam umgehen, welches Kind mag das schon?

impfpflaster

Trophäe der ersten Impfung im Zuge der U4, letzte Woche bei der Kinderärztin. Martha wurde gepiekst, verwand das noch ganz tapfer, musste dann aber doch eine zünftige Brüllerei anzetteln, während ihr der Sechsfachimpfstoff injiziert wurde. Das Unangenehme war anscheinend nicht das Piecksen, sondern was danach kam, warum auch immer. Zum Trost gab’s ein Megapflaster auf’s Beinchen. Faszinierend der Gedanke, dass dies die ersten „Fremdstoffe“ in Marthas Körper sind. Abgesehen vom für Winterkinder obligatorischen Vitamin D hat Martha bisher nichts, aber auch gar nichts als Muttermilch zu sich genommen. Abends gab’s dann noch einen Nachtisch in Form eines Zäpfchens, weil sich dann doch als Impfreaktion eine entsprechender Fieberschub einstellte.

ker_mit

Auf dem Heimweg von der Pieckserei dann endlich ein Photo der gestrickten Kermit-der-Frosch-Mütze, die uns jedesmal fasziniert, wenn wir an dem Schaufenster auf der Landsberger vorbeikommen. Ziemlich abstrackte Kinderklamotten und namensbestickte Kissen und weissnichtwasnochalles zu absolut inakzeptablen Preisen, aber diese Mütze … also diese Mütze … na mal sehen, noch ist sie ja zu groß, also kann der Kindsvater damit noch ein Weilchen ringen. Vielleicht ja zum ersten Geburtstag.

kumpelz_knast

Denn Plüsch- und sonstige Kumpelz, Kinderstoffbücher, Sensorikspielzeug und vergleichbare Kleinstkindausstattung ist ja schon mehr als reichlich vorhanden. Der Kinderknast muss zwar noch nicht wegen Überfüllung geschlossen werden, die andere Hälfte der Sippe haust ja beim Kindsvater am See, aber es ist schon eine ganz schöne Truppe, die da zusammen kommt, wenn wir sie zeitgleich im Laufställchen um die Tochter versammeln. Martha jedenfalls hat ihren Spaß inmitten all der freundlichen Wesen.

kleidchen_2

Was man von ihrem ersten Ausflug in die Welt der Kleidchenträgerinnen erst mal nicht behaupten konnte. Trotzdem. Uns gefällt das von meiner Patentante Hannelore bei deren Berlinbesuch neulich geschenkte Kleidungsstück so gut, dass wir es direkt bei Cousin Tobi’s Geburtstagskaffee einweihen wollten.

oma_martha

Bei der Gelegenheit konnte auch Cousine Lisa sich mal wieder ausgiebig davon überzeugen, dass sie schon eine ganz schön Große oder zumindest nicht mehr die Kleinste in der Familie ist. Oma hat ein wachsames Auge auf das Treiben und Martha …

schafkind

… ist durch all das Gewusel, die Stimmen und Eindrücke irgendwann (Kleidchen hin- oder her) rechtschaffen müde. Schick ist ja an unserem Kind, dass es dann auch tatsächlich ohne Umschweife in den Schlafkomazustand wechselt und: wo auch immer wir sie dann ablegen, ist Martha KO geht das OK.

finger

Manchmal übt sie bei der Gelegenheit auch schon den richtigen Finger für die unzweideutige Meinungsäußerung rauszusuchen, was hier noch nicht ganz gelingt. Einer weiter, der wär’s gewesen.

mobile

Martha hat also den Ausflug ins Kleidchen überstanden, die abstrusen Elterngedanken bezüglich ihres Mittelfingers geflissentlich ignoriert und ist auch sonst ganz schön langmütig, was ihre schrägen erziehungsbeauftragten Erzeuger betrifft. Sie freut sich immer weiter am bunten Gewimmel über sich und läßt ansonsten erst mal die Welt und das Leben an sich,  die Welt und das Leben an sich sein.

hst

Ob sie dann auch irgendwann eine Ader für allerhand Absurditäten entwickelt werden wir sehen. Freuen würden wir uns natürlich schon darüber, zumal es in der großen Stadt eben auch immer wieder, jeden Tag, auf jedem Weg solche schrägen Dinge zu sehen und abzubilden gibt. Keine Wiese und kein Wald hinter’m Haus, wie ihr Vater das früher hatte, dafür Berlin vor der Nase und ein Paar spassorientierte Ü 40 Ersteltern …

augen

… das kann ja was werden.

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Die Martha, das Hängen, das Schlafen und der Lemmy auch …

Der Jänner fliegt vorbei, dieser Tage ist es ein kalter mit einer dünnen, durchlässigen Schneedecke hier und die Momente, an denen die Sonne für ein paar Minuten durchbricht, lindern nicht den „wind-chill factor“, der auch die läppischen minus zwei Grad von heute wie Rasierklingen in die Gesichtshaut treibt.

Uns Martha ficht das alles nicht wirklich an. Sie wird eskimomäßig eingepackt, bekommt eine Schippe wasserfreie Creme ums Näschen und schläft meist schon nach ein paar Metern Kinderwagen-Voranschaukeln, wenn wir die ewig rote Fußgängerampel an der Danziger dann endlich hinter uns gelassen haben, friedlich ein. Auch ist es ein Angenehmes, die Tochter bei solchen Witterungsverhältnissen im Tragegestell vor’m Bauch zu haben. Der entstehende Wärmetausch ist da nur ein Argument. Ob unter’m Mantel oder über der Jacke, Martha hängt ab, kuschelt sich an und … schläft. Wenigstens solange man sich konsequent vorwärts bewegt.

martha schlaeft

Bei diesen Ausflügen ist dann dem Einen oder Anderen auch schon aufgefallen, dass dies einen ganz schön krassen Kontrast hergibt, was die Größenverhältnisse betrifft.

papa_martha

Dabei ist das Kind schon gar nicht mehr so winzig. Mehr als zehn Zentimeter ist sie in den fast vier Monaten schon gewachsen und gewichtsmäßig ist sie auch schon bedeutend mehr als doppelt so viel Martha als anfangs. Die konsequente Ernährung durch Muttern’s Bestes tut, was sie tun soll und auch der Kindsmutter geht es gut damit, zumindest meistens. Raupensymbiose eben, auch wenn Tochter manchmal nicht so genau weiß, was sie will und schon mal Quengeltage hat, wie wohl jedes Kind. Anke, die durch das Stillen mehr oder minder rund um die Uhr am Kind ist, macht das bisher schnullerlose Martha-Dasein so erst möglich, was an dieser Stelle auch mal rausgehoben sein muss!

kistenschlaf

Auf diese Art ordentlich abgefüttert, findet Martha dann immer wieder in den Verdauungsschlaf der gerechten Kinder, die eben noch jeden Tag so viel Neues zu verarbeiten haben, dass sie sich bei „Overload“ einfach Ausklinken, um all die neuen Eindrücke aus dem Arbeitsspeicher in irgendeine andere Ecke ihres Seins zu verfrachten. Außerdem verausgabt sich das kleine Wesen bei der Nahrungsaufnahme schon jedesmal ziemlich. Das ist halt richtig Arbeit für den immernoch binär (Satt vs. Hunger) ausgerichteten Bioorganismus, der ja mit nix anderem beschäftigt ist als wachsen, wachsen, wachsen, lernen, lernen, lernen und dann zur Erholung schlafen, schlafen, schlafen.

Natürlich ist nie ALLES eitel Sonnenschein und so gibt es an manchen Tagen auch absolut fett auf die Ohren. Wenn man den krähenden Kindskopf dann genau in Gehörganghöhe mit sich führt, bringt das zuweilen schon einen veritablen Tinitus ein. Sirenen kann sie, die Martha. Freundlicherweise hat sie ein Sirenenwarnsystem eingebaut, welches folgendermaßen funktioniert:

Erst kommt die Unterlippe vor, eine Trotz-Mime, die ich erschütternderweise ziemlich exakt so neulich in meinem Kinderphotoalbum wiedergefunden habe.
Im zweiten Anschnitt des töchterlichen Protestgebarens verändert sich dann die Gesichtsfarbe, auch schon mal ziemlich rasant, von babynormalrosig über rot, dunkelrot bis hin nach fast dunkellila. Als sie in den ersten Monaten noch mit der Grobjustierung der gesamten Verdauerei zu tun hatte, war das noch extremer, allerdings war es da einfach der Ausdruck der an- und abschwellenden frühkindlichen Bauchschmerzen. Heuer gibt es vier uns bekannte Varianten: Hunger, Hose voll, Müdeseinundtrotzdemnichtschlafenwollen und der undefinierte kindliche Weltschmerz, wo dann einfach gar nix passt und keiner weiß warum.

Ursachenunabhängig setzt ab einem gewissen Verfärbungsgrad zuverlässig der Ton ein, den Nachbarn so lieben; und Martha wäre nicht meine Tochter, hätte sie nicht ein durchaus durchdringendes, kräftig tönendes Organ. Das „Pfälzer-Krischer-Gen“ hat da wohl auf die Tochterausstattung  durchgeschlagen. Jedenfalls ist das an Tagen, wo’s dann auch schon mal länger sirent, für Anke schon nicht wirklich leicht zu nehmen, vor allem, wenn keine Therapieform anschlägt und man davon ausgehen muss, sich mit einem erst mal unabänderlichen kindlichen Zustand abfinden zu müssen.

An dieser Stelle kommt nun old Lemmy Kilmister ins Spiel, von dem der Radiosender der Wahl mir letztens verkündete, er habe auf irgendeiner Elektronikmesse seine neuestes Produkt vorgestellt: Motörheadphones. Werbung im engeren Sinne liegt mir an dieser Stelle mehr als fern, aber da Lemmy und Konsorten ja durchaus als eine der lauteren Live-Kapellen geführt werden, lag der Schluss nahe, die Idee aufzugreifen und zu invertieren. Der Griff zum guten, geschlossenen AKG-Studiokopfhörer war ein schneller … und siehe da, schon erfährt das kindsmütterlich feingeistige Gehörorgan ein wenig Entlastung zwischendurch. Die Credits hat er sich verdient: Danke Lemmy!! und … sorry Martha 😉

headphone

Großartig wie sie ist, verschmerzt Martha auch solche Schieflagen elterlicher Zuwendung schnell und nachhaltig. Wenn sie dann wieder schlafend im Kinderknast, im Bettchen oder auch einfach nur in den Armen eines Elternteils ruht, ist sie der kindgewordene Gegenbegriff zu Lemmys Sound

schläft

… kein Pik As zwar, aber friedlich und vor allem tonlos.

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… in ein neues Martha-Jahr

Es gilt ein bissel was nachzuholen. Nur zwei Einträge im Dezember, dünner als gewünscht und doch war es eben so. Obwohl wir nicht wirklich Weihnachtsfreaks sind und uns aus dem Trubel weitestgehend rausgehalten haben, ist dieser Monat verflogen wie ein Marthapups unter’m auf fünf gestellten Deckenventilator. Das hatte viel damit zu tun, dass ich Anfang Dezember wieder angefangen habe zu arbeiten. Die Schichtwochen waren engst gedrängt, mit kurzen Übergängen von spät nach früh und weiten Wegen, die beim knapp die Hälfte des Monats herrschenden Winterwetter nicht grad‘ weniger anstrengend waren als eh schon. Wenn ich dann nach vier bis fünf Tagen meine Tochter wieder zu Gesicht bekomme ist sie regelmäßig ein völlig anderes Kind! Die Entwicklungen gehen in diesen Tagen derart rasant, dass es mir manchmal schier den Atem verschlägt.

marthalacht

Sie lacht darüber fröhlich, aber die abendliche Schlafsackallergie raubt einem manchmal schon eine Menge Energie und Anke hatte es nicht leicht in diesen Wochen. Bis zu drei Stunden zieht sich das Gekrähe schon mal hin, manchmal unterbrochen von pseudohungrigen Saugeinlagen der Tochter, die doch einfach nur den geballten Weltschmerz auf ihren kleinen Schultern spürt, wenn sie eigentlich hundemüde ist, aber eben auch nicht einschlafen will, weil Kind ja nie weiß, ob da dann noch mal was kommt … oder eben gänzlich Weltende ist. Das ist zumindest mein Eindruck und eines der Erklärungsmuster, die wir uns für Marthas abendlichen Verzweiflungsattaken zurechtgelegt haben. Die Steigerungsroute verläuft von Drama-Martha über Dramartha bis Melodramartha. Bis zur Familiendramartha waren wir aber noch nicht und hegen die begründete Hoffnung, auch in Zukunft ohne diese Steigerungsform auszukommen. So viel Gelassenheit gegenüber den kindlichen Befindlichkeiten ist dann schon.

wimpern

Dafür ist die Kleine nämlich im Kern ihres Wesens viel zu brav, lieb und kooperativ, als dass es für das ganz große Genervtsein reichen würde. Die Kindsmutter ist sich sicher, dass Tochter mich eh schon um den Finger wickelt und diese Technik mit Sicherheit im Laufe der Jahre perfektionieren wird. Wir werden sehen. Jedenfalls ist es den größten Teil der Zeit absolut unmöglich, dem gewinnenden Charme dieses kleinen Wesens nicht zu erliegen.

Aber der Reihe nach.
An den freien Tagen im Dezember musste erst mal in Ankes Wohnung etwas nachgelegt werden. Ankes Teil vom Einkauf beim schwedischen Zusammensteckmöbel-Grossisten lagerte nun seit ein paar Wochen im Keller und so langsam gab es keine Ausreden mehr. Vor den Feiertagen sollte Ordnung sein, da Silvesterbesuch angesagt war und wir vorher nicht mehr dazu gekommen wären.

papastark

Also verlustierten wir uns mit Billy und Konsorten, ich holte mir den Titel „stärkster Papa der Welt“ ab (nicht soooo schwer, da ich der einzige Teilnehmer am Wettbewerb war!) und Anke dokumentierte fleißig, wie es ihre Art ist und hielt ansonsten bravourös meinen „leicht-genervt-sein-Attacken“ stand, die sich aus zu tief gebohrten Löchern, deren Konsequenzen und ähnlichen Kleinigkeiten schon mal zu generieren pflegen.

inge_martha

Derweil verbrachte Martha nebenan einen ziemlich entspannten Tag mit ihrer Grosstante, die lobenswerterweise eigens angerückt war, damit wir beim Handwerken den Rücken und die Hände (kind)frei hatten!

Dann ging es stramm auf Weihnachten zu, was für mich in dieser Saison so gänzlich ausgefallen ist, da ich durchgängig zu arbeiten hatte. Das freut die Kasse, nicht jedoch das Familienleben, was wir allerdings grossartig kompensiert haben, aber dazu gleich mehr. Freundin Jana hatte jedenfalls auch noch eine Martha-Knuddelrunde einzulegen, bevor sie sich fliegenderweise zu ihrer Familie verabschiedete.

jna_martha

Das Fest der Feste verlief dann von meiner Seite deutlich unspektakulär mit fast sieben Runden 197er in zwei Tagen, was vor allem dadurch zur eher traurigen Angelegenheit wurde, dass der Feierabend jeweils am anderen Ende der Welt begangen wurde und mich dort die S-Bahn mal wieder um eine Stunde meiner Zeit betrogen hat, indem sie die einzig brauchbare Verbindung einfach hat ausfallen lassen. Dieser Bahnsteig war kein schöner Ort zum Sein am heiligen Abend, ebenso wie die Tram-Haltestelle Friedrichsfelde Ost, an der ich dann (weil so eben auch der Anschluss nicht funktionierte) auch noch je fast ein halbes Stündchen verbringen durfte. Anke und Martha waren derweil mit der kompletten Sippe beim Onkel in O_burg die Christkinddinge erledigen und am Feiertag gab’s dann noch lecker Pute (mexikanisch) bei der Oma, derweil ich dem konsumpervertierten christlichen Wiegenfeste der Einfachheit halber die Zappakappe zeigte.

x_man

Am zweiten Feiertag durfte ich dann aus der Diaspora rein in die Mitte der Hauptstadt, war damit wenigstens „mitten im Leben“ und  bekam dort auch gleich noch Besuch von Frau und Tochter, was so’nen Citykutschertag doch ungemein auflockert.

txl

Der Martha gefällt es im Bus auch ganz gut, langsam hat sie ja dann doch schon einiges an Erfahrung …

busmartha

… und welches Kutscherherz würde bei dem herzallerliebsten Ausblick im Rückspiegel nicht weich werden?

rückschau

Ob Martha sich nun hier über die Pathosinjektion aus Vaters Feder beschwert oder nur darüber mosert, dass wir sie mal wieder ohne Hose ablichten, ist mir nicht erinnerlich. Jedenfalls hat sie die „OOOch Mennnnoooo!!!“-Pose schon ziemlich gut drauf, auch wenn ihr die Worte noch fehlen.

menno

Ich hatte jedenfalls blockfrei bis ins neue Jahr und freute mich nach einem Erholungstag auf all die schicken Dinge, die wir „zwischen den Jahren“ zu unternehmen gedachten, während Mutter und Kind bei mir Quartier bezogen haben. Da gab’s zuerst mal ein nettes Wiedersehen mit Albert und Familie. Der Kerl ist im Vergleich zu Martha schon absolut oberriesig, was seinen Bruder nicht davon abhält, ihn über meinen Küchentisch zu jonglieren.

kuechebesuch

Zu viel Kraft, die kleinen Männer. Also Albert …
(man beachte den wie ich finde großartigen MONSTER-Kinderwagen :-)))

albert

… und Martha madenmäßig verpackt und raus an den See.

verpackt

Seit ungefähr eineinhalb Jahren, wenn nicht noch länger, denke ich jedesmal, wenn ich das Vorratskabuff in meiner Küche öffne, folgendes: „Das nächste Mal, wenn wir zum See spazieren gehen, nehme ich all das alte Brot in dem Jutesack, der seit geraumer Zeit schon überquillt, mit und wir verfüttern es an Enten und Schwäne.“ Nun haben wir’s endlich getan“““ Juchei!! Die Viecher hatten ein wahres Fest und Bosse war mit einer derartigen Begeisterung dabei, dass wir uns nicht wirklich gewundert hätten, wäre er dabei über Bord gegangen.

bosse

Der Rest des Tages brachte spannende Farbkontraste ….

wagon

… und ein am Ende völlig erschlagenes Kind. „Schlaf Martha, schlaf, und neben Dir ein Schaf“, wie man in leichter Abwandlung des original Schlafliedtextes singen möchte. So viel liebreizende Unschuld auf einem Quadratmeter war selten …

schlafschaaf

… jedenfalls bis beim nächsten „Zu Bett gehen Ritual“, die eingangs erwähnte Schlafsackallergie sich wieder lautstark die Bahn bricht.

Tag’s darauf dann einen schicken ausgedehnten Weißensee-Spaziergang, zu dem wir auch die Frau mit den grünen Haaren überreden konnten, die es sich dann auch freundlicherweise vor lauter Wiedersehensfreude nicht nehmen ließ, das Kindschieben zu übernehmen.

3kw

Derweil die Kindsmutter über einem großen, in der Holländersiedlung entdeckten Holzpferd selbst wieder zum Kind wird …

ankepferd

… und der Kindsvater anhand der Installationen im Garten der Parkklinik aufzeigt, dass er durchaus weiß, wo der Hammer hängt.

hammer haengt

Vorbei an Supereule ging’s dann, ein kräftig kaltes Wintergewitter überstehend, wieder nach Hause …

supereule

… wo eine zufrieden, frisch gelüftete Martha von ihrer Mutter natürlich mehr bekommt als nur die abgebildete Babyflugstunde.

mutter tochter

Womit dann das Weihnachtsthema fast schon abgearbeitet wäre.
Fehlen nur noch die vorsorglich aufgenommenen Bilder für die Weihnachtskarten 2013.

Weihnachtsfamilie Gaore !!!

x_mama

(Nach-)Weihnachts-Mama

x_dad

(Nach-)Weihnachts-Papa

x_kid

(Nach-)Weihnachts-Martha

Den Jahreswechsel haben wir dann deutlich ruhig angehen lassen.

b_m

Kindkümmernder Besuch wird ja in diesen Tagen gerne genommen und Beate hat nicht nur einiges an Tricks in petto, was das Anti-Martha-langweilt-sich-und-kräht-deshald-Programm betrifft. Sie verfügt auch über ein enormes „Kind schlafen machen“-Potential,

b_ate_martha

… sie verfügt auch über ein Arsenal an „Kind schlafen machen“-Techniken, die wir uns natürlich gerne vorführen lassen.

haengt

So hat Tochter dann den Jahreswechsel verschlafen, während wir in aller Gemütlichkeit, Faltvogelmobiles bastelnd, lecker Fischpfanne essend, die draussen tobenden (zumindest akustisch) weltkriegsähnlichen Zustände ignorierend, so weit geschlunzt haben, dass die Sektflasche dann auch erst um 00:03 Uhr zum Anstoßen geöffnet war.

silvesterkrach

Statt Böller gab’s  für Weißensee von mir ein lecker soundendes Dauer-Feedback in G vom Balkon …

neighbours

… während vor der Haustüre die Nachbarn sich in einer Zeitschleife ergingen und irrsinnig laute Schreckschüsse generierten. Nun dann.

neujahrsfrühstückstisch

Das Neujahrsfrühstück dann sehr entspannt, auch dank Marthas neu gefundener Mittelpunktposition.

neujahrsspaziergang

Der Rest des Tages  ging dann mit einem ausgedehnten Spaziergang im Naturschutzgebiet am Faulen See vorüber, bei dem wir eine Menge über die ökologische Bedeutung von Totholz erfahren haben und …

martha_matte

… Martha so viel Frischluft zugeführt wurde, dass sie am Ende des Tages sogar ihre Schlafsackallergie überwunden zu haben schien.

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Seltsame Vorgänge, neue Möbel und Typen

Hallo, ich bin’s nochmal, die Martha … oder bin ich’s schon wieder? Jedenfalls erlebe ich ja jeden Tag eine Menge Dinge, von denen die meisten für mich einigermaßen neu sind, weshalb sich das alles manchmal etwas undurchsichtig gestaltet. Mein Vater sagt, das ganze Leben sei so gestrickt, aber was er damit meint ist mir nicht so ganz klar und was gestrickt sein bedeutet, ist mir auch eher schleierhaft.

gestrickt

Jedenfalls sind die Mütze und das wollig warme Jäckchen, die ich in diesen Tagen draussen meist trage, angeblich auch gestrickt und zwar von der Oma und mein Papa hegt seit den 90ern eine kultische Verrehrung für eine ehemalige Strickfabrik in New York, in der jetzt aber nicht mehr gestrickt, sondern musiziert und geschauspielert wird, sagt er, wie er überhaupt eine Menge erzählt.

Was ist eine Fabrik und was ist New York? Rätsel über Rätsel, die ich angeblich irgendwann unter Zuhilfenahme irgendeines Netzes entwirren kann, was angeblich in den Rechnern meiner Eltern wohnt, wenn ich erst so weit bin und Dinge wie Lesen und Schreiben tun kann. Rechner sind Computer, sagt mein Vater und das sind wohl die seltsam hellen Kisten, vor denen meine Eltern abends schon mal sitzen. Meist schläfert mich das monotone Klappern, das sie dabei machen (Papa sagt es käme von etwas das Tatsatur oder so heisst), eher ein, als ich herausfinden kann was es mit Lesen und Schreiben und mit dem in den Kisten wohnenden Netz auf sich hat … vom Stricken ganz zu schweigen.

Neulich hat sich dann von heute auf morgen draussen alles total verändert. Plötzlich war alles weiß und meine Eltern haben mich noch dicker eingepackt als sowieso schon, wenn wir raus gehen.

schneehepaar

Als wir dann bei Papa waren standen da so ziemlich große weiße Kumpels im Garten. Sie haben sich über Tage lang nicht bewegt. Sahen zwar lustig aus, aber waren irgendwie nicht wirklich kommunikativ und dann habe ich gesehen, dass in Papas Kühlschrank Nasen dieser weißen Wesen lagern … eine ganze Menge davon. Manchmal sehe ich Eltern die Nasen dieser Wesen essen. Das schien mir schon unheimlich und als wir ein paar Tage später wieder dort waren, bestätigte sich mein Verdacht. Die Wesen waren nicht mehr wirklich da, also nur noch Teile von ihnen. Papa sagte es hätte damit zu tun, dass es wärmer geworden sei und sie getaut wären. Tatsächlich haben Eltern mich auch nicht mehr so dick angezogen, aber was ist tauen und wieso essen meine Eltern Nasen von weißen Wesen, die sich erst hochgradig seltsam verändern, dann in Teilen, also kaputt auf der Wiese rumliegen und irgendwann ganz verschwunden sind?

scheehepaar_end

Sowieso hab‘ ich den Verdacht, dass Eltern nicht ganz so harmlos sind, wie sie immer tun. Da ist nicht nur die Sache mit den Nasen von den weißen Kumpels. Ich habe noch mehr Hinweise darauf! Neulich zum Beispiel haben sie einen seltsam schweigsamen Kumpel, der in durchsichtigem Plastik gekleidet war, bei mir im Laufstall geparkt, Photos geschossen, was meine Mutter eh ständig tut und sich dann köstlich darüber amüsiert, dass der Kumpel (Gans hieß er glaub‘ ich) gerade genauso groß und genauso schwer sei wie ich es bin!

martha mikel

Ein paar Tage später waren dann Leute zu Besuch, von denen mich vor allem der Große erst mal sehr erschreckt hat, weil ich anfangs dachte, er wolle mich essen. Ich habe den Beschwichtigungen meiner Eltern geglaubt, er sei ganz harmlos und ein wirklich Netter und er hat mir auch wirklich nichts getan, aber als sie dann alle zusammen tatsächlich ans Essen gingen, wurde mir schon wieder etwas mulmig, weil mir doch eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem Essen und dem schweigsamen Plasteklamottenkumpel aufgefallen ist, was mich nachdenklich gemacht hat …

gans fertig

… und dann eben noch die Geschichte mit den Nasen von den weißen, plötzlich verschwundenen weißen Jungs aus dem Garten im Kühlschrank. Ich weiß ja nicht wirklich, was ich davon halten soll.

Überhaupt hat sich einiges verändert. Ich wachse stetig und vor allem Papa beschwert sich darüber, dass ich durch beständiges Aussaugen meiner Mutter dieser die letzten Reserven raube und dadurch auch noch immer schwerer werde. Er hält jedesmal Vorträge darüber, wenn er mich die Treppen hoch oder zum „Bäuerchen machen“ (so nennen sie das, wenn ich rülpse, wie kindisch!!) durch die Wohnung trägt.

tragen

Jedenfalls bin ich für meinen angestammten Parkplatz am Küchentisch zwar noch nicht zu groß, immerhin schieben sie mich in dem bootsähnlichen Ding noch draußen herum, aber ein wenig eng wird es mir darin schon und vor allem nervt es mich, dass ich nicht wirklich über den Rand schauen kann und dadurch nicht mitbekomme, was in der Küche vor sich geht, worüber ich mich dann zunehmend auch immer wieder deutlich beschwert habe.

schlafkind

Seit neulich parken sie mich dann eher immer mal wieder auf eine Decke, wo der Himmel voller Kumpels hängt.

kumpelz invasion

Manche davon sind bunt, aber die meisten eher pastellfarben, was ich einigermaßen langweilig finde. Darüber habe ich mich dann auch lauthals beschwert, was zur Folge hatte, dass Eltern zum Ausgleich eine Armee bunter Kumpels geschickt haben, was mich dann aber noch mehr beunruhigt hat, obwohl Vincent zugegen war und das Ganze beaufsichtigte.

kumpelz invasion

Über so viel Verarsche auf einmal musste ich dann erst mal ein dickes, dickes Babytränchen vergießen. Das stimmt die Großen meist so was von mitleidig, dass sie dann stundenlang ganz besonders lieb und aufmerksam zu mir sind … also noch mehr als sonst sowieso schon.

tear

Eine andere Variante, die mir freie Sicht auf die Dinge und schier unbegrenzte Teilhabe ermöglicht, haben sie leider ein bissel spät entdeckt. Ich bin fast schon wieder zu groß dafür, aber dieser Tage finde ich mich doch immer noch mal wieder in der „Kiste“ wieder.

Kistenkind

Der Vorteil dieser Position liegt auf der Hand: ich bin mitten im Geschehen. Zu den Mahlzeiten wird mir dabei manchmal allerdings etwas mulmig, wenn ich an die Nasen und den Plasteklamottenkumpel denke …

Frühstück mit Kistenkind

… bisher jedenfalls ist alles gut gegangen.

Und noch ein neues Liegemöbel ist aufgetaucht, von dem ich noch nicht weiß, ob ich es lieben oder hassen soll. Mama sagt, dass es mich auf später vorbereitet, wenn ich mit ihr zum Schaukeln gehe. Dabei ruft sie immer „Hui Hui Hui!!!“ und das Tuch, in dem ich liege, fängt bedenklich an hin und her zu schwingen, was einerseits schön im Bauch kribbelt, andererseits aber auch irgendwie beängstigend ist. Papa treibt es da nicht so wild und hat eher den Dreh raus, das Teil so zu bewegen, dass es sich ein bisschen anfühlt wie rumgefahren zu werden, weshalb ich dabei dann auch meist einschlafe.

haengematte

Am liebsten liege ich aber nach wie vor in Mutterns Kinderknast, wie sie meinen Laufstall nennen. Papa will sich wohl auch so ein Teil besorgen, weil er mich (wie er sagt) sonst nirgends wirklich verhaften kann, wenn ich erst einmal anfange durch die Gegend zu krabbeln. Was Verhaften und was Krabbeln bedeutet ist mir bisher auch nur schemenhaft klar. Krabbeln hat was mit „sich durch die Gegend bewegen“ und Verhaftet sein was mit „sich nicht durch die Gegend bewegen“ zu tun. Soviel habe ich bisher herausgefunden. Davon und von ganz viel mehr noch ganz viel seltsameren Dingen erzähle ich meinem neuen Kumpel „Blaumann“, wenn ich ihn in ein paar Tagen wieder sehe. Und sollte ich dabei einschlafen, hört er mir eben beim Schnarchen und Glucksen zu. Findet er sicher auch gut …

blaumann

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hallo, ich bin’s, die martha und der boden ist verkehrsbetriebsgelb …

hey alle … ich bin’s, die martha.
das ist meine website, und es wird allerhoechste zeit, dass ich mich mal selbständig hier zu wort melde.

ich habe ein schickes „rehchen rotnase-shirt“ an, wobei ich keine ahnung habe, wer oder was das sein soll. mama sagt es ist eher ein elch, wegen dem geweih .. also frage ich mich, was ist ein elch, was ist ein geweih und wo ist der unterschied zu einem „rehchen rotnase“? jedenfalls ist das teil todschick, noch so groß, dass es eine weile vorhalten wird und dadurch einfach total bequem. apropos bequem: der schicke untergrund auf dem ich hier lagere, ist der selbstbezogene boden eines 1×1 meter kinderknast (sie nennen das „laufstall“, wobei mir noch absolut nicht klar ist, was es mit dem laufen auf sich hat …), so richtig mit gitter und allem drum und dran. mein vater sagt, das gelb sei verkehrbetriebsgelb, was auch immer das heissen mag. jedenfalls werde ich in dem teil immer mal wieder abgelegt, was nicht ausnahmslos meine zustimmung findet, da ich mich dort hin und wieder schon alleine und abgeschoben fühle. es hat sich halt in letzter zeit herausgestellt, dass sie mich doch nicht rund um die uhr herumtragen. vielleicht liegt das auch daran, dass ich inzwischen gut zweimal so viel wiege wie bei meiner geburt. ich habe mich also verdoppelt sagt mein papa, was immer das heissen mag. (bin ich jetzt zwei martha und wenn ja, wo ist die andere?)

martha_rotnase

jedenfalls befindet sich das geviert derzeit noch, mit boden in der gestängemitte montiert, in der stube bei meiner mutter. wenn sie mich auf dem arm hat und mit mir über den balkon hinausschaut, sehen wir eine große straße mit straßenbahn und bäumen und ganz vielen autos. ein bissel weiter weg ist eine große kreuzung mit vielen haltestellen und allerhand tatütata, was man oft bis zu uns hinauf hört.

anke_martha

und ja, ok, ich geb‘ es zu, ich werde immernoch am liebsten herumgetragen und im wesentlichen tun mama und papa das ja auch, bis auf wenn sie mich schon mal ablegen, was ich dann unschick finde. meist passiert das, wenn ich beim rumgetragen werden unvorsichtigerweise einschlafe. ich würde das gerne vermeiden, weil ich dann ganz oft den eindruck habe, eine menge von dem, was um mich herum geschieht, zu verpassen. aber manchmal passiert es einfach und meine augen fallen zu und nachher kann ich mich an nichts erinnern. jedenfalls wache ich dann oft auf und liege in diesem gitterteil, was sie inzwischen über dem verkehrsbetriebsgelben boden noch mit so ’nem bärchengedöns bezogen und die gitter damit auch abgehängt haben, so dass ich sie nicht sehe und aber auch sonst nix. der stoff ist blau und es hat eine menge sterne, monde und eben auf wolken sitzende schlafbärchen. wer hat eigentlich diesen mythos erfunden, dass kinder immer und überall von bärchen umgeben sein wollen? ich jedenfalls mag krokodile sehr gern, aber meins ist wohl unzufrieden, sonst hätte es nicht neulich, nach der vielen herumfahrerei, versucht, den wachdienstjob zu kündigen.

martha

also haben eltern anscheinend einen kollegen für das wächterkrokodil eingestellt. das wohnt in weißensee und sie nennen ihn v2, soll vincent (der dann wohl v1 ist, wie ich messerscharf schließe) entlasten, vor allem vor der reisetätigkeit. sie denken ich merke das nicht, also dass es nur ein kollege meines wächterkrokodils ist, dort, aber die schnauze von dem einen ist schiefer als die von meinem vincent.

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über diese und weitere marotten der erwachsenen hab ich mich neulich auch versucht mit albert zu unterhalten, als der in meiner kinderablage zu besuch war. wir waren gewissermassen beide dort verhaftet, weil unsere mütter sich ein wenig in ruhe unterhalten und schwangerschaftsklamotten zurücktauschen wollten.

martha_albert

albert war durch meine diskurse offensichtlich etwas verunsichert oder vielleicht ist er auch nur schüchtern und muss sich an die gegenwart von mädels erst gewöhnen, obwohl er schon doppelt so alt ist wie ich. jedenfalls fand ich es schick in der bärchenbewährten kleinkinderablage mal nicht alleine rumhängen zu müssen.

später, als albert schon wieder weg war, kam dann noch ein ganz anderer, ganz seltsamer kollege zu besuch. zum einen war er komplett in plastik eingewickelt, sehr schweigsam und auch nicht wirklich rührig, was seinen bewegungsdrang betraf. zum anderen haben meine eltern sich diebisch gefreut, als sie ihn neben mir geparkt haben. sie haben nicht nur bilder gemacht, was sie  ja öfter tun, (oder soll ich sagen „knipsen tun sie mich ja eh ständig“), sondern sich tuschelnd unterhalten, dass der kumpel in etwa so groß und schwer sei wie ich, also ein vergleichbares modell, obwohl ich das gar nicht finden kann, also dass wir vergleichbar wären. also jedenfalls haben sie dann noch was vom backofen erzählt und seitdem mach ich mir manchmal ein paar sorgen.

martha_gans

nachdem die bilder gemacht waren haben sie ihn auch gleich weggetragen und seitdem hab ich den plastiktütentyp auch nicht mehr wieder gesehen. irgendwie obskur das ganze.

martha_baden

vor lauter bedenken wegen der backofengeschichte hab ich mir dann auch auf’s heftigste in die hose gemacht. das kommt wirklich nicht oft vor, nur alle zehn bis zwölf tage, aber meine mama sagt, es wäre dann umso infernalischer, und, obwohl ich nicht weiss, was infernalisch bedeutet, muss ich zu meiner verteidigung anführen, dass sowohl maren, die hebamme, als auch die kinderärztin behauptet haben, das sei ganz normal. ich sei halt eine sammlerin und manche kinder würden den scheiss schon mal bis zu zwei wochen bei sich behalten, ohne dass es irgendwie unnormal wäre oder schaden würde. ich würde mir nur wünschen, dass die ewigen bauchkrämpfe nach dem essen mal aufhören würden und die pupserei etwas leichter vonstatten ginge … ohne dieses ewige krampfen und pressen wegen der vielen luft im bauch. einen vorteil hat die ganze angelegenheit allerdings schon. ich werde hinterher jedesmal gebadet und das find ich reichlich schick. wasser, so um die 37°, ist echt angenehm. es plätschert toll, wenn ich mich strampelnd darin bewege und dieses angenehme, warme umspültsein erinnert mich irgendwie an etwas, woran ich mich nicht wirklich erinnern kann. muss von da herrühren, wo ich vorher gewesen bin. eltern behaupten das zumindest … ich hab‘ sie reden hören von „ja … das kennt sie noch aus der anke, deshalb findet sie das gut.“ also war ich anscheinend früher, bevor das mit dem hellen licht losging, in der mama, weil das nämlich die anke ist. fragen über fragen.

wie auch immer. letztes mal hat mich der papa dann gebadet und es hat einen heidenspaß gemacht, von ihm durch die wanne geplantscht zu werden, auch wenn ich anfangs den eindruck hatte, dass er noch nicht so wirklich weiss, wie er mich da anzufassen hat. wenigstens hat er mich nicht untergetaucht, obwohl er manchmal, das merke ich auch beim anziehen, etwas grobmotorisch veranlagt ist …

handtuchmartha

… dafür legt er die handtücher (mit kaputze!!), in die sie mich wickeln oder auch die für die wickelunterlagen, auf denen ich liegen muss, wenn ich mal wieder eine neue hose brauche, freundlicherweise vorher auf die heizung, so dass es schön kuschelig ist dann. das find ich gut!

dann haben sie was von ’ner babypuppe erzählt, die so gross ist wie ich jetzt und die wohl noch bei irgend einer halla lagert. für sie wollen sie die schicken, geschenkten klamotten von meiner cousine carolin und von moni und jochen aufheben. da bin ich fast schon rausgewachsen. mein roter „glückskind“-lieblingsstrampler in 50 ist schon so klein (oder ich so gross), dass er spannt. also zieht die mama ihn mir nicht mehr an. aber für die babypuppe wollen sie ihn aufheben. was zur hölle ist eine babypuppe? ich bin ein baby, ok, aber eine babypuppe? ein babyimitat zum spielen? erschreckende vorstellung. aber vielleicht kommt das noch. sowieso ein lieblingsspruch meines vaters. „das kommt noch … bald, … bestimmt“.

jo_martha

sowas flüstert er mir zum beispiel ins ohr, wenn ich ihn anlache und versuche, eigene töne zu machen, die über das automatisch entstehende schreien und wimmern, wenn ich hunger habe oder mir der bauch wehtut, hinausgehen. überhaupt erzählt er mir ’ne menge, wovon ich noch nicht mal den bruchteil verstehe, aber dann sagt er: „das kommt noch … bald, …bestimmt“.

jo_martha

und dann hab ich am ende der woche doch noch kapiert, was er mit „verkehrsbetriebgelb“ meint. es gab ein schickes stoffteil und eine echt rührende glückwunschkarte zu meiner geburt, mit meinem namen drin, von etwas, das bvg heisst und anscheinend ein verkehrsbetrieb ist. „niederflurkrabbler“ steht drauf und niederflur ist wohl für kinder oder mütter mit kindern oder kinderwagen ganz fein, sagt meine mama. das sind wohl die dinger ohne treppen. wenn nämlich eine bahn mit treppen kommt, bleiben wir schon mal stehen, bis eine ohne kommt und uns mitnimmt. was das alles aber mit krabbeln zu tun hat und wie das mit papa, dem verkehr und dem betrieb so genau ist, hab ich noch nicht wirklich durchschaut. „das kommt noch … bald, … bestimmt“ hat er gesagt, als er das teil ausgepackt hat. ein „sabberlätzchen“ … aber anscheinend für anderes sabbern als das, was ich jetzt tue. dafür hat’s nämlich sabbertücher, die früher mal windeln waren, sagt meine mutter und die hat sie noch nie mit dem gelben teil getauscht. versteh einer die erwachsenen. ich dachte sabber ist sabber und windeln sind windeln. scheint aber nicht so zu sein. muss ich wohl erst noch begreifen … wenn ich über solche gedanken untröstlich bin und anfangen muss zu weinen, weil ich noch so wenig kann und das gefühl habe, so gar nix zu wissen, tröstet der papa: „das kommt noch … bald, … bestimmt“.

niederflurkrabbler

das war jetzt reichlich ermüdend hier auf dem verkehrsbetriebsgelben laufstallboden und in der zwischenzeit haben die beiden kindsköppe, was meine eltern sind, mich gleich noch jahreszeitgemäß mit weihnachtssternen dekoriert …

sternesser

pfffft … die gähn ich jetzt erst mal an und auf dem photo was mama grad‘ schiesst sieht das dann bestimmt aus als wollte ich einen von ihnen aufessen …

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Bärcheninfernos, Mode, Tiere, Kuchen und ein Besuch in der Kutscherei

Während die Mädels sich nebenan bereits zur Ruhe begeben haben hört der Kindsvater sich das Mitternachtskonzert der „Shins“ im Radio an und sortiert noch ein paar Bilder aus den letzten Tagen.

Zum Beispiel das „Bärcheninferno“. OK, es ist nun mal so, dass man Kindern zuschreibt, dass sie es bunt besonders gerne mögen und das Bärchenmotiv ist ja bei Produkten für die Altersklasse U10 sowieso allgegenwärtig, aber diese Bärchenbettwäsche schlägt alles sonst bisher Vorhandene eindeutig um Längen. Die tiefenpsychologischen Auswirkungen der Nachtruhe in solchem Tuch mag ich nicht wirklich hinterfragen. Nun ist Martha freundlicherweise noch zu klein dafür. Sie ruht nächtens im Schlafsack in der Wiege. Bis sie ins Bärchenuniversum des Kinderbetts umzieht ist es noch ein bissel hin und die Bettwäsche ja bis dahin vielleicht zufällig durch irgendeinen Waschmaschinenunfall farblich so weit modifiziert, dass es nicht ganz so ins Auge haut … mal schauen.

Baercheninferno

Schicke neue Klamotten für Martha gab’s dieser Tage gleich mehrfach und auch wenn die hier gezeigten Teile größenbedingt noch ein paar Tage auf ihre Verwendung am Kind warten müssen, haben wir uns doch sehr gefreut und warten schon fußwippend auf die Zeit, wenn die superkuschelige Strickjacke mit den dicken Knöpfen …

Jacke

… und das extrem coole“Esprit-Rotnasenrentiershirt“ von Carola an die Tochter passen und wir sie damit ausführen dürfen!

rotnase

Derzeit würde Martha darin noch einigermaßen verschwinden. Sie wächst zwar prächtig und hat auch, dank der nahrhaften Vollversorgung aus der Kindsmutter, schon so viel zugelegt, dass sie inzwischen fast doppelt so viel wiegt wie bei ihrer Geburt, verschwindet aber mit Ihren 54 cm immernoch weitgehend im Tuch. Trotzdem: Der erste Satz Klamotten (also alles was Größe 50 hat) ist zu ihrem heutigen zweimonatigen Geburtstag einigermaßen grenzwertig oder eben auch schon durch. Immerhin müssen wir sie nicht mehr „breit wickeln“, was der ein oder anderen Klamotte noch ein bis zwei weitere Wochen Verwendungsdauer beschert, da ja jetzt um den Babyhintern doch noch mal ein bissel mehr Platz ist, als bisher, weil ja nun keine Stoffwindel mehr dazu gepackt werden muss, damit Beinchen und Beckenknochen die richtige Verbindung eingehen. Das ist nun laut Orthopädin gut und da wo’s hin soll. Also jetzt ein Handgriff weniger beim Wickeln und für Martha mehr Freiheit zum Strampeln. Juchei!

ankespiegel

Auf’m Bauch fühlt sich Tochter auch weitgehend ziemlich wohl. Natürlich besonders an der Stelle wo sie einst ausgeschlüpft ist, aber auch beim Kindsvater. So eingehüllt und getragen hat sie neulich auch ihre Zirkuszeltpremiere beim Varieté des ZirCouplet verbracht. Die geschossenen Tickets zu nutzen war eines der vielen Experimente, bei denen uns Martha bisher so erfreulich gut von der Hand geht, dass wir Lust auf „mehr“ bekommen. Gut gefüttert und schlafend im Kinderwagen zum Ostbahnhof geschoben hat sie tatsächlich 3/4 der Vorstellung ohne Murren vor meinem Bauch gebunden mitgemacht. Mal durch tiefe Basstöne, die sie so intensiv noch nicht hatte, mal durch plötzlichen Applaus ein wenig irritiert, ansonsten aber doch gewohnt langmütig und friedlich. Solange sich angekuschelt werden kann ist die Welt für sie in Ordnung. Hunger war dann zum Ende des ersten Teils der „Ich geh dann mal mit ihr raus“-Faktor, aber nach erfolgter Stillung in der Pause ging der zweite Teil dann komplett über die Bühne und am Ende waren wir sehr froh, dieses schöne, sympathische Programm gesehen und es nicht in vorauseilenden Gehorsam geklemmt zu haben. Ein schicker Abend, auch mit Kleinstkind. Danke Martha!

couch

Nach derlei Anstrengungen ist halt an manchen Tagen eine Schlafsondereinheit auf Vaterns Bauch fällig, die nicht selten dazu führt, dass auch dieser eine Sonderschicht schläft. Die ganze Zeit ging das in dieser Position, aber so langsam wird’s eng, da Martha bewegungstechnisch so weit ist, dass ich nicht mehr sicher bin, ob sie sich nicht von mir runter robbt. Dieser Tage ist die „Pinguinnummer“ dran. Auf dem Bauch mit abgespreizten Gliedmassen durch Wippbewegungen voran kommen. Das konvexe Aufeinandertreffen des wippenden Kindes mit meinem Bauch wirkt mir dann auf die Dauer doch soweit instabil, dass ich dabei lieber wach bleibe um sicherzugehen, dass Tochter beim Turnen nicht abstürzt.

hand

Manchmal spielen wir dann lustige Spiele, wie zum Beispiel „es kommt eine große fünfbeinige Spinne und krabbelt über dein Gesicht“. Auch hier hat mich eine Martha-Schramme soweit lernen lassen, daß ich inzwischen bei der Beschäftigung mit dem zarten, sich aber mitunter unverhofft heftig bewegenden Wesen dann doch vorsichtshalber den Ring ausziehe.

Tiere

Und manchmal, wenn wir so fröhlich aufeinander rumturnen, machen die Kumpelz auch mit!

Ein weiteres Mosaiksteinchen der Entwickling hin zur klassischen Kleinfamilie ist, dass entgegen jedweder alten Gewohnheit inzwischen hin und wieder Kuchen gebacken werden. Nicht nur dass immer häufiger vorkommender Kaffeeebesuch das sinnvoll macht. Wir haben wider Erwarten Spass daran und die Ergebnisse sind, da im Zweifel ein klares Bekenntnis gegen das Experiment, dafür zur Backmischung abgegeben wird, bisher auch allesamt lecker und genießbar. Käsekuchen nach Rezept ohne Vorgefertigtes wäre dann der nächste Schritt. Vielleicht als Nachtisch zur Gans, die in diesem Jahr nur unter Mühen Platz im vorweihnachtlichen Kalender gefunden hat. Der „freie Tag zur Geburt eines leiblichen Kindes“, den der Verkehrsbetrieb auch mir gewährt, macht’s erst möglich. Ansonsten sind alle Advendswochenenden und die gesammelten Weihnachtsfeiertage Arbeitstage für den Kutscher.

kuchen

Apropos Verkehrsbetrieb. Als Fahrgästin war Martha ja schon im Bus unterwegs. Letzten Samstag hat sie aber zum ersten Mal mit einem leibhaftigen berliner Busfahrer gekuschelt. Das darf auch, denn schließlich sind die beiden verwandt!

KUTSCHE

Probesitzen hatten wir dann auch schon, aber bis sie den Fahrer/innenarbeitsplatz ausfüllen könnte wird’s wohl noch eine Weile dauern und dann ist da ja noch das gesetzliche Mindestalter, von wegen Personenbeförderung und so.

kUTSCHERIN

Martha war’s wohl reichlich egal, ob nun der Papa oder ein anderer Kutscher die Kiste lenkt, dem Papa aber nicht. Jetzt hab ich Frau und Tochter mal gemeinsam kutschiert. Schöne Premiere, zumal ich bei meinem ersten Dienst nach zwei Monaten gar nicht mit so nettem Beuch gerechnet hatte.

never sorry

Zum Versuch des Buslenkeranfixens bezog Tochter allerdings dann doch noch eindeutig Position, wie der hochschnellende Mittelfinger dokumentiert: „Netter Versuch, aber … „.

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Lost & Found: Vincent Wanted!

Es ist tatsächlich passiert. Wir konnten es beide nicht fassen. Zwei Tage nach unserer Rückkehr erreichte mich per SMS die Frage der Kindsmutter: „Wo ist eigentlich Vincent?“

Vincent_beisschutz

Marthas Wächterkrokodil, eines der ersten Geschenke an unsere Tochter, von Ankes Freundin Alex noch in der Klinik, welches seitdem nicht einen Moment (außer beim Baden) von der Seite unserer Tochter gewichen war, über Schlafphasen, Blähungen, Stillvorgänge und jeden einzelnen Windelwechsel die Oberaufsicht geführt hatte, war nicht aufzufinden. Er war die ganze Reise über stets präsent und an der Seite unserer Tochter gewesen. Wo auch immer wir sie gerade gebettet, gewickelt oder rumgeschoben haben: Vince war zugegen, wie es sich für ein pflichbewusstes Wächterkrokodil gehört. Und nun das!

Nachdem ich meine Wohnung auf den Kopf gestellt, den Autovermieter kirre gemacht und den Gastwirt, bei dem wir auf der Rückfahrt eingekehrt waren, befragt hatte, war ich wie erschlagen. Vincent war nicht auffindbar und wir konnten uns noch nicht mal ganz genau erinnern, wann und wo wir ihn zum letzten Mal bewusst wahrgenommen hatten.

Vincent

Die Ankunft zurück in Berlin war mit dem Ausladen der ganzen Klamotten, bei Regen und Parkplatzmangel, etwas chaotisch verlaufen und am Tag darauf gab es ja auch noch den Trip zum blaugelben Schwedenmöbelhändler, mit Autoumbau, Ein- und Ausladen und dem zwischenzeitlichen Martha-Parken bei der Oma.

Alle diesbezüglichen Recherchen und Erinnerungsversuche verliefen im Sande.
Klein Martha wäre „Not Amused“, hätte sie diese emotionale Regung auch in Bezug auf Kuscheltierverluste schon im Programm, dessen waren und sind wir sicher.

Martha Lina Frontal

Um den Wirbel nicht zu übertreiben verzichteten wir zwar auf die bei Hund-/Katzenverlust üblichen Aushänge an den unsere letzten Parkplätze umgebenden Bäumen, in der Nachbarschaft. Trotzdem lief ich im Regen all die Orte noch mal ab, in der Hoffnung, das Stoffreptil vielleicht von einem netten Krokodilretter in einem anliegenden Gartenzaun drapiert zu finden. Ergebnislos.

Vermutlich war er doch bei einer der ungezählten Martha rein ins Auto, Martha raus aus’m Auto Umpackaktionen am Ende unserer Reise durchgerutscht, unbemerkt runtergefallen oder gar geflüchtet, wobei wir uns das nicht wirklich vorstellen konnten. Ein vorbildliches Wächterkrokodil wie unser Vincent geht nicht einfach so von der Fahne. Unsere mangelnde Umsicht hatte zu dem Verlust geführt. Ganz bestimmt. Vermutlich vermisste Martha den Gefährten schon in ihren Träumen und konnte sich uns nur noch nicht mitteilen. Wir fühlten uns als Rabeneltern!

Hand

Abgesehen vom unglaublich schlechten Gewissen, welches uns in den darauf folgenden Tagen weiter plagte, immerhin sind wir nicht nur sorge-berechtigt, sondern auch aufsichts-verpflichtet, was neben dem Tochterkind mit absoluter Sicherheit auch dessen Kumpels und Kuscheltiere betrifft, trieb uns ein Rat von Freundin Steffi DVri um, das weltallerwichtigste Kuscheltier auf jeden Fall zwei mal in petto zu haben, um die Katastrophendimension eines eventuellen Verlusts eindämmen zu können. Desweiteren sei auf regelmäßige Abnutzung beider (!) Exemplare zu achten, da Kinder einem solchen (wenn auch gut gemeinten) Betrug niemals aufsitzen, wenn in der Ausführung derart wichtige Details vermasselt werden.

Martha_Finger

Also bemühte die Kindsmutter das weltweite Computernetz und machte die in Berlin gelegenen Bezugsquellen für Qualitätswächterkrokodile aus, damit Martha auch in Zukunft von einem echten Markenkroko bewächtert ihre frühe Kindheit unbeschwert zu verleben die Chance hätte.

Ein Spielwarengrossist in der Neuköllner Standardeinkaufsmall hatte zwei Exemplare vorrätig, die wir sofort reservierten.

Am Folgetag pilgerte die gesamte Kleinfamilie also quer durch die Stadt, trotzte ein weiteres Mal den Unwägbarkeiten des barrierefreien Reisens im Berliner ÖPNV und erstand, von Martha weitgehend unbemerkt, V2 und Vincent III.  Angesichts zeternder, hadernder, sich weinend auf dem Boden windender Dreijähriger überkam mich ein nicht zu unterschätzendes Glücksgefühl, ausgelöst dadurch, dass Martha freundlicherweise noch in einem Alter ist, in dem sie Besuche beim Spielzeugdealer noch einigermaßen kalt lassen. Ihr fehlt da einfach der primäre Zugang zum Schlüsselreiz und vor allem noch der Überblick.

Martha ohne Durchblick

Was von einer älteren Martha allerdings später sofort bemerkt worden wäre, uns aber erst nach der Rückkehr zuhause auffiel, war der signifikante Unterschied zwischen den beiden neu erstandenen Tieren. V2 glich dem original Vincent noch bis auf’s Haar und seine etwas verzogene Schnute könnte problemlos als Stimmungsmeldung oder Charaktermerkmal durchgehen. Vincent der III. allerdings ließ die drei typischen Krokodilschnautze-Querabnäher in schwarz vermissen und unterschied sich so doch signifikant von den Artgenossen. Das war nicht akzeptabel. Wir beschlossen seinen Umtausch bei nächster Gelegenheit. Schliesslich war ja die entstandene Wächterkrokodillücke für’s Erste mehr als zufriedenstellend aufgefüllt.

Martha Wiege

Das Leben konnte beruhigt weiter gehen, denn Martha wurde ja wieder krokodilbewächtert. Ein paar mehr oder minder ereignislose Herbsttage kamen und gingen. Dann hatten wir Besuch von meinem Freund Nils. Er erzählte von seinem letzten Besuch in Kusel, denn auch er ist ein in der Hinterpfalz Geborener.

Martha Nils

Bei der Gelegenheit stellte sich offen eine Frage, die schon länger im Untergrund gärend bei mir gewesen, aber durch das Drama um Vincents Verschwinden in den Hintergrund gedrängt worden war. Ich hatte aus purer Lust, angereichert mit ein wenig Vaterstolz, eine Geburtsanzeige für Martha im Käseblatt meines Heimatstädtchens platziert. Dafür wollte ich als Erinnerung für’s Kind ein Belegexemplar.

Geburtsanzeige Rheinpfalz

Als wir anfang des Monats bei der Urgroßmutter zu Besuch waren hatte ich peinlich genau darauf geachtet nicht zu versäumen, eine Samstagsausgabe der „Rheinpfalz“ zu erstehen. Anke hatte sie in Storks Tabakladen nicht bekommen, also sind wir extra noch zur Tankstelle gefahren, wo sie freundlicherweise auch nachmittags noch ein Exemplar für uns übrig hatten. Wo war diese Zeitung abgeblieben?

Als Anke ein paar Tage später mit Martha zu mir kam war ihr erster Weg nach dem Kindablegen in mein Wohn-/ Marthas Kinderzimmer. Sie hatte den konspirativen Zusammenhang zwischen Vincents Verschwinden und dem nicht Vorhandensein der Zeitung erkannt und sah nun die großen Tüten, in denen die Bettwäsche und das Zubehör für das von Yasmins Oma geschenkte Kinderbett waren, noch einmal genau durch und siehe da: Vincent, der echte, erste und (nun nicht mehr) einzige, die Rheinpfalz vom 03.11.2010 und dazu noch das Regenverdeck für die Babyschale. Das hatten wir Selten-Autofahrer noch gar nicht vermisst.

Vermutlich hat mein beim Rauftragen hilfreicher Nachbar Marco mich gefragt, bevor er den im Auto befindlichen „losen Kleinkram“ in die Tüte mit dem „weichen Zeug“ gepackt hat, auf dass nichts verloren gehe. Erinnern kann ich mich daran nicht. Wir waren erst mal froh, das Original wieder bei uns und unsere Reputation als treu sorgende Kind- und Tier-Aufpasser wiederhergestellt zu wissen und Vincent den III. noch voll etikettiert und beschildert gelassen und nie zum Einsatz gebracht zu haben.

2Vincents

So kam es, dass an diesem Abend sich zwei Wächterkrokodile kennenlernten, die sich, obwohl beide von dieser Farbe, anfangs nicht wirklich ganz grün waren. Um die beiden Artgenossen auseinanderhalten zu können haben wir Original-Vincent dann mit Marthas Geburtsarmband markiert.

Vincents Streit

Am Kind beanspruchte Vincent dann auch sofort die älteren Rechte, was V2 netterweise auch direkt einsah und durch Bauchlage zu erkennen gab, noch bevor es zu unschönen Szenen hätte kommen können.

Beschnuppern

Das darauf folgende Krokodilbeschnuppern verlief, von Martha unbemerkt, so erfolgreich, dass …

Krokodileintracht

… wir mitunter die beiden Herrschaften …

Klettern

… zur Ordnung rufen mussten …

Krokoeintracht

… und sie am Ende auch in ihrer Innigkeit sogar unterbrechen mussten, um auf ihr eigentliches Aufgabengebiet hinzuweisen und das Kindswohl (auch im Sinne des Jugenschutzgesetzes) nicht zu gefährden. V2 jedenfalls unterwirft sich freudig dem älteren Gefährten und beide stellen fest, dass der Dienst am kleinen Menschenwesen zu zweit noch viel mehr Spass macht!

Martha und zwei

Und Martha entging der ganze Vorgang so gründlich, dass wir erst mal froh waren, das Drama von ihr fern gehalten zu haben.

Doppeldienst

Als dann beratschlagt war, wer, wie, wo und wann welche Aufgaben zu übernehmen hätte, wurde es Zeit, der Zielperson all des Aufwands den neuen Gefährten (V2) vorzustellen …

Abgelehnt

… was der jungen Dame dann aber eindeutig zu viel des Guten war. „Zwei Wächterkrokodile auf einmal? Das verträgt doch kein Kleinstkind! Bleibt mir bloß weg mit wilden Träumen von mehreren Tieren oder Doppelbildern im Wachzustand. Ich hab‘ ja so schon erst mal noch Schwierigkeiten, mich hier außerhalb der Mutter grundlegend zu orientieren … und dann kommt ihr mir mit so was??“ schien sie uns mitzuteilen.

Abwehr

Abgelehnt!

Also weilt olle Vincent nun weiter konsequent an Marthas Seite, während V2 hier bei mir ein relativ laues Leben führt. Manchmal fehlt ihm der Kollege, aber die vielen freien Tage findet er schon auch sehr schick und Martha kommt ja auch regelmäßig mit Vincent vorbei, der dann allerdings weniger Muße zum Krokodilstelldichein verspürt, sondern froh ist, auch mal Pause zu haben.

Die Rückgabe von Vincent dem III. ging ein paar Tage später in einer anderen Filiale des Spielwarengrossisten in der Spandauer Standardeinkaufsmall dann auch mehr oder minder problemlos über die Bühne.

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